Immer mehr Menschen bekommen die Diagnosen von chronischen Erkrankungen.

Nun kann es sein, das die Ärzte die Diagnose zu früh stellen und nicht alle dafür notwendigen Untersuchungen durchgeführt haben, dennoch bleiben die Symptome. Ob nun ausgelöst durch Stress, Lebensmittelallergien oder Unverträglichkeiten. Also meine Frage passe ich mit meinem Reizdarm vielleicht gar nicht in das heutige gesellschaftliche und wirtschaftliche System?

Unser heutiges System beschreibe ich mal aus meinen Augen bzw. aus meiner persönlichen Ansicht. Ich wurde geboren, kam mit gerade einmal einem Jahr in die Kita, anschließend wurde ich eingeschult und wurde nach der Schule im Hort beschäftigt. Das habe ich ganze sechs Jahre gerne mitgemacht, anschließend konnte ich mich entscheiden auf welche Schule ich dann gehen wollte. Ich entschied mich mit meinen Eltern zusammen für ein Gymnasium. Nach der 10ten steht die Frage im Raum Abitur oder Ausbildung. In meinem Fall wählte ich eine Ausbildung, dann eine Fachschule und erwarb die Fachhochschulreife. Nun kommt die Frage Studium oder endlich arbeiten. Ich wählte die Arbeit. Also bin ich seit meinem 23.Lebensjahr arbeiten. Heißt seit mittlerweile ganzen 7 Jahren arbeite ich in unserem System.

Nun kommt meine Ausführung der Symptome des Reizdarmsyndroms, dazu muss ich sagen, dass ich immer schon nicht die beste Beziehung zum Essen hatte. Denn als Kind wollte ich immer nicht essen, ich musste Milchpulver als Appetitanreger trinken, habe Vitamintabletten geschluckt und Vita Sprint getrunken. War dementsprechend immer ein kleines zierliches Mädchen. Ob ich zu den Zeiten schon Bauchschmerzen hatte, kann ich nicht sagen, da meine Erinnerungen nicht so weit zurück reichen.

Erst durch die Einnahme der Pille habe ich Appetit bekommen und endlich angefangen zu essen. Zu der Zeit war ich voll in der Pubertät, rauchte, trank und quälte mich durch die Schule. Hier fangen auch meine Erinnerungen an. Ich habe einige Male im Sekretariat mit Bauchschmerzen gesessen und darauf gewartet dass mich meine Mutter abholt. Ich denke ich war zu sensibel, die Schule war sehr beanspruchend, viel feiern, rauchen, trinken (man wollte ja dazu gehören) und zuhause kamen auch bald Probleme dazu. Die Bauchschmerzen wurden immer öfter, vor jeder großen Arbeit, vor jedem Vortrag hatte ich Beschwerden. Ich ging zum Arzt, dort bekam ich Tropfen und man sagte ich solle Schonkost essen. Erst mit einem neuen Hausarzt kam die Diagnose Reizdarmsyndrom. Zu dieser Zeit war ich bereits in der Ausbildung. Und mit dem Einstieg ins Berufsleben wurden mit jedem Jahr meine Beschwerden schlimmer.
Die Frage ist also warum?

Ich persönlich finde ja, dass in der heutigen Zeit oft der Mensch nur noch als ein funktionierendes Glied gesehen wird. Nicht als Mensch. Nicht als einen Menschen der Interessen hat. Nicht als einen Menschen der Gefühle hat. Nicht als einen Menschen der Familie und Freunde hat. Nicht als einen Menschen der Urlaub braucht. Nicht als einen Menschen der auch einmal eine Erkältung bekommt. Nicht als einen Menschen der Pausen brauch und essen muss etc.

Und das ist in unserer Gesellschaft normal? Und dann wundern sich die Leute warum es immer mehr Menschen mit einem Burnout, Depressionen, Angststörungen, Reizdarmsyndrom, Herzkreislauf-Erkrankungen usw. gibt?

Wir sind Menschen mit einer sensiblen Gefühlswelt, die sich bewegen müssen, die trinken müssen, die essen müssen, die schlafen müssen, die Ruhe brauchen, die ein soziales Umfeld brauchen, die sich weiterentwickeln wollen, die abenteuerlustig sind, die Freude und Leid empfinden etc.

Ich habe das Gefühl, das wir zu Maschinen herangewachsen sind. Die in ein System gesteckt werden und funktionieren müssen. Wenn etwas an unserem Körper nicht funktioniert wird es eben ausgetauscht. Es wird immer weiter gemacht. Von der Wirtschaft bekommen wir alles um zu funktionieren. Ob es nun Medikamente sind, damit wir sehr schnell wieder funktionieren, oder eine industriell stark verarbeitete Nahrung ist, die wir einfach nur in die Mikrowelle schieben und dann essen, weil wir so viel Zeit sparen und mehr arbeiten können. Ich weiß nicht wo dass alles noch hinführen soll.

Wir haben ein Bewusstsein, wir haben Gefühle und schirmen uns davor ab. Die Schmerzen, die durch das Reizdarmsyndrom kommen sind Signale von unserem Körper, das wir gerade etwas falsch machen bzw. etwas falsches gegessen haben. Doch was machen wir? Wir nehmen eine Tablette, essen weiterhin Fast Food und gehen weiterhin unseren stressigen Jobs nach. Und nun eine Frage: WARUM?

Warum gehen wir arbeiten? Ich persönlich gehe arbeiten um Geld zu verdienen. Ich brauche dieses Geld um mir Nahrung, ein Dach über den Kopf, fließendes Wasser und Kleidung leisten zu können. Doch heutzutage brauche ich noch das neuste Handy, einen Fernseher, 10 Strickjacken, 15 Jeans in verschiedenen Waschungen, einen Computer, 100 Paar Schuhe, Medikamente etc. Durch dieses Brauchen machen wir uns Abhängig und es entsteht eine Spirale. Wir wollen immer mehr, brauchen mehr Geld, gehen mehr arbeiten, werden immer kränker, verlieren den Bezug zu unserem Innersten und irgendwann liegen wir auf dem Sterbebett und blicken auf unser Leben zurück. Was finden wir dort? Worauf sind wir stolz? Was hinterlassen wir? Einen Mercedes? Ein 500 qm Haus mit 2000 qm Grundstück vollgepackt mit irgendwelchem Zeug?

Ich möchte auf ein Leben zurückblicken, dass voller Abenteuer, voller Zwischenmenschlicher Liebe, voller erfüllter Träume und einen gesunden Körper ist. Ich möchte in sagen können „Ich habe gelebt“ und nicht „Ich habe gearbeitet“.

Was möchtest du?

Ich möchte nicht das ganze System schlecht machen, ohne wäre ich nicht in der Lage zu lesen oder diesen Post hier zu schreiben. Auch haben wir ein tolles Leben in Deutschland mit vielen Möglichkeiten, wovon andere nur träumen. Ich möchte nur, dass du dir darüber im Klaren wirst welche Rolle du im System spielst und ob diese überhaupt zu dir passt. Und wenn sie nicht passt, den Mut zu haben, deine Rolle zu verändern.

Schreibe einen Kommentar