Ich habe viele Jahre mit dem Reizdarm so dahin gelebt. Es gab Tage an denen es mir gar nicht so schlecht ging und es gab Tage wo einfach nur alles Scheiße war (im wahrsten Sinne des Wortes). Als ich dann endlich beschlossen hatte den ganzen Beschwerden auf den Grund zu gehen, hatte ich wirklich Angst was die Ärzte wohl finden würden. Doch was wirklich Angst macht ist, nach unangenehmen Untersuchungen immer wieder das Ergebnis „KERNGESUND“ zu bekommen. Wenn nicht mal die Ärzte eine Ursache für deine Beschwerden finden, zweifelt man an sich. Und nicht nur man selbst zweifelt. Deine Freunde, Familie und selbst der Arzt zweifelt. Man wird behandelt als ob man die Schule schwänzen will, als ob man nicht mehr ganz richtig im Kopf ist und sich alles nur einbildet. Denn laut den Ärzten ist man ja schließlich kerngesund.

NEIN ihr bildet euch die ziehenden Krämpfe im Bauch, die einem manchmal die Luft rauben und kaum gehen lassen können, nicht ein!

NEIN ihr bildet euch den aufgeblähten Bauch, der einen aussehen lässt als ob man im fünften Monat Schwanger ist, nicht ein!

NEIN ihr bildet euch auch nicht ein, Durchfall oder Verstopfung zu haben!

NEIN VERDAMMT NEIN!

Nur weil eure Freunde, Familie und Ärzte euch nicht glauben, heißt das noch lange nicht dass ihr euch nicht glauben könnt. Es ist bei mir sogar eine Freundschaft fast zerbrochen, weil meine Freundin meinte ich habe Depressionen und bilde mir alles nur ein. Die Ärzte haben ja schließlich nichts gefunden. Ich war so enttäuscht und verletzt… Ich denke es ist ein Unterschied Depressionen zu haben oder an einer verdammten nicht erkannten Krankheit zu leiden. Ich habe nicht locker gelassen und wie ihr ja wisst erst durch eine Ernährungsberatung alle meine Lebensmittelunverträglichkeiten herausgefunden und meine Ernährung umgestellt.

Ja das Leben mit diesem FUCKING REIZDARMSYNDROM lässt einen manchmal verzweifeln, aber lasst euch keinen Stempel aufdrücken. Nur Betroffene können nachvollziehen wie es ist damit zu leben.

7 thoughts on “Fucking Reizdarm

  1. Bin via der Suche auf Insta nach dem Hashtag #reizmagen auf deinen Blog gestoßen…
    Als ich diesen Artikel hier gelesen habe, hat sich das angefühlt, als würdest du über mich reden…so beschissen das auch ist, aber es hat sich soooo gut angefühlt zu wissen, dass man damit nicht alleine ist. Ich kenne leider bisher keinen, der mein Schicksal teilt und mit dem ich mich austauschen kann. 🙁
    Kannst du mir sagen, bei was für einer Ernährungsberatung du warst oder war das keine spezielle? Bei mir steht als nächstes ein erneuter detaillierterer Nahrungsmittel-Allergietest auf dem Plan. Ich verzichte zwar schon auf einiges, nach dem es mir nicht gut geht, aber da muss noch mehr sein. Magen- & Darmspiegelungen liefen bei mir immer unauffällig und das mit dem „du bist gesund“ kann ich echt nicht mehr hören! Denn Verstopfung, Durchfall, Krämpfe und Blähbauch sprechen für sich.
    Soviel ganz knapp zu meiner Leidensgeschichte….
    Ich freue mich auf alle deine zukünftigen Artikel und les jetzt erstmal alle alten durch!
    Liebe Grüße von einer Leidensgenossin

    1. Hallo liebe Leidensgenossin, zu allererst möchte ich dir sagen du bist nicht allein und wenn du jemanden zum reden brauchst, oder dir einfach nur mal Luft machen möchtest kannst du mir jederzeit eine E-Mail schreiben.
      Ich habe mir eine Ernährungsberatung gesucht, die auch auf Reizdarm spezialisiert war. Es gibt da Unterschiede. Wenn du im Raum von Berlin wohnst gebe ich dir gerne die Telefonnummer und Adresse von meiner Ernährungsberaterin. Wenn du mir mehr über dich und deine Geschichte erzählen möchtest, schreib mir bitte eine Mail unter info@leben-mit-reizdarm.de. Ich würde mich freuen von dir zu hören und wünsche dir noch einen schönen Abend.
      Liebe Grüße

  2. Ich erkenne mich bei diesem Eintrag einfach so wieder. Bei allen möglichen Untersuchungen , darunter MRT, Magen-/Darmspiegelung, mehrere Blutuntersuchungen etc. kam immer nur das Ergebnis „alles ohne Befund“ und somit die Diagnose Reizdarm/Reizmagen. Freunde und Verwandte sagten dann auch schon immer “ Ist doch super, wenn es nichts schlimmes ist. Du kannst jetzt doch bestimmt besser damit umgehen, wenn du weißt, es ist nichts körperliches“. Aber wie du auch selber sagst, fängt man an, an sich selbst zu zweifeln und besser ertragen lassen sich die fast täglichen Beschwerden auch nicht. Seit über einem Jahr hab ich die Beschwerden jetzt und hab leider immer noch keinen Weg gefunden, wie ich mit den Beschwerden besser umgehen kann. Ich will schon nichts mehr planen , weil ich immer denke, dass ich sowieso wieder Bauchschmerzen habe. Auch ein Besuch beim Heilpraktiker , der mir geraten hat es mal mit der Einnahme von Sibosan zu probieren hat leider nicht geholfen. Derzeit ist Iberogast mein ständiger Begleiter. Das hilft war bei stärkeren Beschwerden auch nicht mehr wirklich , aber ich muss es immer dabei haben wenn ich das Haus verlasse, schon allein als innere Beruhigung sozusagen.
    Ich hoffe einfach , dass ich die Bauchschmerzen irgendwann in den griff bekomme und wieder völlig unbeschwert Leben kann. Und Entschuldigung für den langen Text, ich hatte aber irgendwie das Bedürfnis mal alles aufzuschreiben, weil ich mich in diesem Blogeintrag einfach so wiedererkenne.

    1. Hallo, du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich freue mich über jedes Kommentar/ jede Geschichte ob kurz oder lang. Es tut mir sehr leid, dass du noch nicht wirklich etwas gefunden hast, was dir hilft. Ich kann dir wirklich nur raten es weiter zu versuchen. Probiere es über die Ernährung. Hier im Blog findest du einen Beitrag zu low FODMAP und auch wie ich mich persönlich ernähre. Und probiere das einfach mal aus. Am besten unter Aufsicht eines Ernährungsberaters oder Arztes und mit Führung eines Ernährungstagebuches. Ich war an einem Punkt wo ich nichts mehr vertragen habe und musste wirklich erst einige Wochen auf viele Lebensmittel verzichten um endlich wieder Beschwerdefrei zu werden. Vllt hilft dir das auch.
      Und bitte gehe weiterhin unter Leute!!! Isoliere dich nicht!!! Lass die Krankheit nicht zum Mittelpunkt deines Lebens werden! Finde wieder Vertrauen in dich und deinen Körper. Wenn du nicht mehr raus möchtest, kannst du ja damit anfangen kleine Spaziergänge zu machen, die dann immer länger werden. Höre dabei deine Lieblingsmusik und lenke dich einfach von den Schmerzen und dem Darm ab. Ich weiß es ist schwierig aber wirklich machbar. Ich hoffe wirklich sehr du findest bald etwas was dir hilft. Du kannst mir auch gerne eine Mail schreiben wenn du wieder etwas los werden möchtest.
      Ich wünsche dir alles Gute und vielen Dank für deine Worte.

  3. Hallo,

    bin auf diesem fantastischen Blog gestoßen. Respekt! Das Reizdarmsyndrom ist eine Krankheit, die leider eben nicht als Krankheit anerkannt ist in meinen Augen. Ich bin (34 Jahre) u. habe seit 25 Jahren das Reizdarmsyndrom. Schon als kleiner Junge musste ich auf einmal überfallartig auf Toilette. Die Eltern sagten natürlich damals, was hat der Junge denn wieder Falsches gegessen. Oder hat er heute Angst vor einem Schultag oder so. Aber ich kann nur von mir sagen frei nach Asterix:“ Meine einzige Angst ist kein Toilette zu finden.“ Natürlich habe ich Stress, natürlich habe ich Ängste, die sind aber nicht maßgeblich für die Entwicklung meines Gesundheitsempfindens. Ich habe manchmal an freien Tagen viel größere Beschwerden als wenn ich auf Arbeit bin. Ich habe nur diese Woche wieder eine relativ harte Woche hinter mir, so dass ich doch noch einmal wieder paar Ärzte aufsuchen will.
    Darunter habe ich einen Termin mit einem Reizdarmspezialisten vereinbart der sich offiziell so bezeichnet. 😉 Ich bin zwar skeptisch, weil ich weiß wie Ärzte hilflos bei dieser Krankheit sind. Darmspiegelungen hatte ich nun auch schon zwei, was für mein Alter auch nicht gerade gewöhnlich ist. Trotzdem will ich es angehen, da die Woche so schwierig war, dass ich auch Sorge haben meinen Job nicht mehr korrekt ausführen zu können.

    Mein erster Arzt, den ich besucht hatte, sagte doch tatsächlich:“ Es gab heute Zeugnisse, da ist normal, dass man auch mal nervösen Stuhlgang bekommt.“ Die Zeugnisse waren mir doch gleich. Man wird eben doch sehr in eine psychisch labile Ecke gedrängt. Das empfinde ich als sehr traurig.

    Ich kann nur jedem empfehlen trotzdem sehr offen mit der Krankheit umzugehen. Ich habe nur einen sehr kleinen Bekanntenkreis. Hier weiß man von meinen Schwierigkeiten. U. in meinem engsten beruflichen Umfeld weiß man auch, dass ich eben auch auf Seminarfahrten usw. eben kein normaler Mitfahrer bin. Ich vertrete es auch offen als Krankheit. Denn nur weil man nach heutiger Auffassung medizinisch gesund ist, ist man das nicht. Vor 200 Jahren hat man manche Krankheit auch noch nicht gekannt. Derjenige war dann eben einfach gestorben oder krank.

    Ich selbst kann nur Bewegung auch empfehlen. Ich jogge relativ viel, auch wenn das im schlechten Zustand auch schwer fällt. Denn wenn der Darm in Bewegung kommt u. das Essen transportieren will, bekommt man auch wieder Schmerzen. Ich benutze auch täglich Flosamen, was auch keine Gesundung geführt hat, aber zumindest manch einem sicher hilft, dass die Konsistenz besser wird. Bei mir war es so. U. bei mir ist auch immer so, wird der Stuhlgang wieder fester, nehmen die Beschwerden wieder etwas ab.

    Werde in jedem Fall den Blog weiterlesen. Respekt(!!!) Trotzdem dachte ich erzähle ich kurz mal paar Stichpunkte zu meinem Leidwesen. Tut auch mal gut. Ich suche eigentlich immer noch eine Selbsthilfegruppe. Denn nur wer diese Beschwerden tatsächlich kennt, weiß um die Schwierigkeiten.

    Grüße

    Stefan

    1. Hallo Stefan, vielen lieben Dank für deine netten Worte und vielen vielen Dank das du so offen etwas über deine Geschichte mit dem Reizdarm erzählst. Ich finde es lobenswert, dass du in deinem Freundes- und Bekanntenkreis so offen mit der Krankheit umgehst. Es ist nicht immer leicht zu der Krankheit zustehen.
      Auch wenn man weiß, welche Krankheit man hat und man leider oft ziemlich machtlos ist, sollte man schon regelmäßig zu einem Facharzt gehen. Die Medizin ist heutzutage so schnell und man kann nie wissen ob vielleicht doch irgendetwas entwickelt wurde, was eventuell hilft. Kannst gerne von deinem Besuch berichten, würde mich interessieren was dieser Spezialist zum Thema Reizdarm zu sagen hat.
      Die Idee mit einer Gruppe finde ich echt super, so kann man sich austauschen. Vielleicht kann man in der Richtung ja irgendetwas zusammen in Bewegung setzen. Bei Interesse kannst du mir gerne eine E-Mail schreiben unter info@leben-mit-reizdarm.de. Ich habe immer ein offenes Ohr.
      Ich wünsche dir das diese harte Woche ein Ende hat und dir es wieder besser geht in den nächsten Tagen.

    2. Hi Stefan,
      willkommen im Club. Bin auch 34 und bereits seit 15 Jahren „dabei“. Wobei ich heilfroh sein kann im Gegensatz zu dir die Schulzeit noch komplett reizdarmfrei überstanden zu haben. Im Studium konnte ich jederzeit zuhause bleiben und zu den Prüfungen halt Nahrung auf 100% sicher minimiert. Das wäre in der Schule ja gar nicht möglich gewesen. Dazu potentielles Mobbing durch Mitschüler usw.. Wie hast du das nur geschafft? Respekt.
      Naja bringt mir im Endeffekt auch nix. Fucking Reizdarm hat sich irgendwie stetig verschlimmert, so dass mein auf wackeligen Füßen stehendes und nach außen halbwegs normal aussehendes Leben Anfang diesen Jahres komplett explodiert ist. Arbeit weg, Frau weg, Wohnung weg. Hab zumindest noch meinen ebenfalls sehr kleinen Freundeskreis. Immerhin etwas.

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